Ausbildungs- und Studienkosten – Steuergestaltungen nutzen!

Der Bundesfinanzhof hat entschieden. Und dies erfreulicherweise zu Gunsten der Steuerzahler. In ihrem Urteil vom 28.02.2013 beschäftigten sich die Richter des sechsten Senates des höchsten deutschen Steuergerichts mit den Kosten einer Berufsausbildung bzw. eines Studiums.

Nach derzeitiger Gesetzeslage sind diese Kosten lediglich beschränkt auf maximal 6.000 € als Sonderausgaben abzugsfähig, wenn es sich um eine Erstausbildung oder ein Erststudium handelt. Neben der betragsmäßigen Deckelung ist dabei von Nachteil, dass Sonderausgaben nicht in die Zukunft als Verlustvortrag vorgetragen werden können. Dies führt dazu, dass der Steuervorteil im Jahr der Geltendmachung verpufft, wenn der Auszubildende oder Student keine eigenen Einkünfte hat. Wesentlich günstiger wäre es, wenn die Kosten als Werbungskosten in unbeschränkter Höhe anzuerkennen wären. Dann könnte in der gleichen Konstellation ein Verlustvortrag festgestellt und in späteren Jahren mit Einkünften steuersparend verrechnet werden.

Im Streitfall ging es nun um den Begriff der „Erstausbildung“ bzw. des „Erststudiums“. Wurde vor dem aktuellen Ausbildungs- bzw. Studienabschnitt bereits eine Ausbildung abgeschlossen, so handelt es sich bei dem darauf folgenden Abschnitt um eine „Zweitausbildung“. Dies führt zum vollen Werbungskostenabzug mit den beschriebenen Steuervorteilen. Der Bundesfinanzhof stellte nun fest, dass eine steuerliche Erstausbildung dabei nicht eine abgeschlossene Berufsausbildung im Sinne des Bundesausbildungsgesetzes voraussetze. Auch sei für die Ausbildung nicht eine Mindestdauer von zwei Jahren Voraussetzung.

Vielmehr müsse die Ausbildung dem Erlernen der Grundlagen eines Berufs zum Erwerb einer selbständigen und gesicherten Position im Leben dienen. Dies kann wie im Urteilsfall auch eine sechsmonatige, innerbetriebliche Ausbildung zur Flugbegleiterin sein. Denkbar wäre auch der Erwerb eines Taxischeins, welcher den zukünftigen Student ebenfalls in die Lage versetzt, sein Auskommen zu sichern. Mit einer vergleichbaren „Erstausbildung“ kann also ein immenser Steuervorteil für die Zukunft erreicht werden.

In Fällen eines klassischen Erststudiums im direkten Anschluss an das Abitur sei abschließend auf ein weiteres, noch anhängiges Verfahren vor dem Bundesfinanzhof hingewiesen (Az. VI R 2/13). Auf diesen Musterprozess kann sich im Einspruchsverfahren bezogen werden, wenn die Kosten des Studiums nur begrenzt als Sonderausgaben anerkannt wurden.

copyright by Steuerberater Lars Meinel, Hof/Plauen