Betriebsgebäude – Gestaltungsmodell par excellence nun anwendbar

Mit einem aktuellen Schreiben vom 16.12.2016 hat das Bundesfinanzministerium ein hochinteressantes Steuersparmodell zur Anwendung freigegeben. Dieses wurde zuvor vom Bundesfinanzhof anerkannt (BFH-Urteil vom 09.03.2016, Az. X R 46/14). Das Modell kann von Unternehmern genutzt werden, die den Bau eines Betriebsgebäudes planen und das Unternehmen perspektivisch auf ein Kind oder einen anderen Angehörigen übertragen möchten. Die Steuerersparnis wird hierbei durch eine mehrfache Abschreibung des Betriebsgebäudes erreicht.

Dazu ist es notwendig, das Betriebsgebäude durch den Unternehmer mit eigenen Mitteln teilweise oder vollständig auf einem Grundstück zu errichten, welches sich im Eigentum des Ehegatten befindet. Der Ehegatte wird sowohl zivilrechtlicher als auch wirtschaftlicher Eigentümer des auf seinen Miteigentumsanteil entfallenden Gebäudeteils. Wird das Betriebsgebäude des Unternehmer-Ehegatten von diesem also beispielsweise vollständig auf einem dem Nichtunternehmer-Ehegatten gehörenden Grund und Boden gebaut, so ist nicht der das Bauvorhaben finanzierende Unternehmer, sondern sein Ehegatte zivilrechtlicher Eigentümer des Gebäudes.

Da der Unternehmer-Ehegatte die Kosten für die Gebäudeerrichtung getragen hat, kann dieser den Aufwand auch als Betriebsausgaben – im Wege der Abschreibung – geltend machen. Soweit es sich um ein Gebäude oder einen Gebäudeteil handelt, der auf dem Grundstück des Ehegatten errichtet wurde, wird dabei kein „Gebäude“ aktiviert und abgeschrieben, sondern ein „Aufwandsverteilungsposten“, da es sich um Privatvermögen des anderen Ehegatten handelt. Die Abschreibung des Gebäudes ist über 33 Jahre, die des Verteilungspostens auf 50 Jahre möglich. Sollte in der Vergangenheit eine andere Abschreibungsdauer festgelegt worden sein – wie in der Praxis bisher üblich z.B. die Abschreibung des gesamten Objektes über 33 Jahre – so gibt das BMF-Schreiben ein Korrekturerfordernis vor.  Von einer Übergangsregelung kann Gebrauch gemacht werden.

Der eigentliche Vorteil ergibt sich dann später bei unentgeltlicher Betriebsübergabe, beispielsweise im Wege der vorweggenommenen Erbfolge auf ein Kind. So übernimmt das Kind den Buchwert des bilanzierten Gebäudeanteils und schreibt diesen weiter ab. Überträgt der Nichtunternehmer-Ehegatte nun auch den Grund und Boden auf das Kind, wird der Gebäudeteil, der diesem Ehegatten zugerechnet wurde, ebenfalls Betriebsvermögen des Kindes. Der Gebäudeteil wird dabei mit dem Verkehrswert zum Übertragungsstichtag angesetzt. Der Verkehrswert kann dabei wesentlich über dem Buchwert liegen, da sich dieser über die Jahre durch die Abschreibung stetig verringerte. Von dem neuen, höheren Wertansatz kann das Kind fortfolgend Abschreibungen berechnen. Im Ergebnis ergibt sich in Höhe der Wertdifferenz zwischen Buch- und Verkehrswert also eine Doppelabschreibung.

Gesichert ist zudem ein weiterer Vorteil, der auch ohne Übertragung auf ein Kind zur Entfaltung gelangen kann: so stellt das BMF fest, dass bei Beendigung der betrieblichen Nutzung des Gebäudes stille Reserven auf dem Gebäudeteil des Nichtunternehmer-Ehegatten nicht zu besteuern sind.

copyright by Lars Meinel, Steuerberater Hof/Plauen