Das häusliche Arbeitszimmer im Visier der Finanzgerichte

Die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer sind grundsätzlich nicht als Betriebsausgaben oder Werbungskosten abzugsfähig. Der Gesetzgeber lässt aber zwei Ausnahmen zu. Steht für die berufliche oder betriebliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung, so können die Kosten bis zu 1.250 Euro pro Jahr geltend gemacht werden. Stellt das Arbeitszimmer gar den Mittelpunkt der gesamten beruflichen oder betrieblichen Tätigkeit dar, sind die Kosten sogar unbeschränkt abzugsfähig.

Die erste Ausnahme „kein anderer Arbeitsplatz“ dürfte regelmäßig auf Berufsgruppen wie Lehrer und Außendienstmitarbeiter ohne Schreibtisch in der Schule oder einem Büro des Arbeitgebers zutreffen. Die zweite, wegen der unbegrenzten Abzugsmöglichkeit wesentlich interessantere Grundsatzabweichung war nun Gegenstand eines Verfahrens vor dem FG Münster. Mit Urteil vom 05.03.2015 erklärten die Richter die Ausnahme auch für einen Handelsvertreter für anwendbar, der im Wurst- und Käsevertrieb überregional gewerblich tätig war. Der im Arbeitszimmer ausgeübten betriebswirtschaftlichen Tätigkeit wurde dabei ein in qualitativer Hinsicht größeres Gewicht beigemessen als der Präsenz beim Kunden.

Weniger erfolgreich verlief das Verfahren eines Steuerpflichtigen vor dem FG Rheinland-Pfalz, der den beschränkten Abzug der Arbeitszimmerkosten für gleich zwei Arbeitszimmer an verschiedenen Orten geltend zu machen gedachte. Mit Urteil vom 25.02.2015 stellte das FG fest, dass der Höchstbetrag an die Person des Steuerpflichtigen anknüpfe und damit personen- und objektbezogen zu verstehen sei. Der Abzugsbetrag komme daher bei mehreren Arbeitszimmern jedenfalls bei Funktionsgleichheit nur einmal in Betracht.

Wann prinzipiell von einem „häuslichen“ Arbeitszimmer, und nicht etwa von unbeschränkt abzugsfähigen externen betrieblich oder beruflich genutzten Räumen, auszugehen sei, war zudem durch das FG Köln zu erörtern. Nach dem Urteil vom 15.04.2015 liegt ein häusliches Büro bei einem Arbeitsraum vor, der nach seiner Lage, Funktion und Ausstattung in die häusliche Sphäre eingebunden sei und vorwiegend der Erledigung gedanklicher, schriftlicher oder verwaltungstechnischer Arbeiten dient. Ein Kellerraum im selbst genutzten Wohnraum sei insofern ebenfalls als „häuslicher“ Arbeitsraum anzusehen.

Ist die beschränkte oder unbeschränkte Abzugsfähigkeit im Grundsatz geklärt, so stellt sich im Anschluss die Frage nach den einzubeziehenden Kosten. Nach dem Urteil des FG Münster vom 18.03.2015 können zu diesen auch anteilig die Kosten für die Renovierung des Badezimmers und des Flures zählen. Es handle sich um Kosten, die – ähnlich wie Kosten für die Neueindeckung des Daches, die Renovierung der Fassade oder eine neue Eingangstür – das gesamte Gebäude betreffen. Unter Umständen kann der Steuerpflichtige damit zumindest anteilig auf Kosten des Fiskus duschen und baden.

copyright by Lars Meinel, Steuerberater, Hof/Plauen