Das häusliche Arbeitszimmer – neue Urteile erschweren den Abzug

Mehrere neue Urteile auf Ebene der Finanzgerichte aber auch des Bundesfinanzhof beinhalten für Steuerpflichtige weniger erfreuliche Neuigkeiten in Bezug auf die Abzugsfähigkeit von Arbeitszimmerkosten. Betroffen sind Arbeitnehmer, die einen häuslichen Raum für ihre berufliche Tätigkeit nutzen, ebenso wie Unternehmer, die für die Aufwendungen des häuslichen Arbeitszimmers einen Betriebsausgabenabzug begehren.

Bekanntlich sind nach der gesetzlichen Definition die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer grundsätzlich nicht als Betriebsausgaben oder Werbungskosten abzugsfähig. Der Gesetzgeber lässt aber zwei Ausnahmen zu. Steht für die berufliche oder betriebliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung, so können die Kosten bis zu 1.250 Euro pro Jahr geltend gemacht werden. Stellt das Arbeitszimmer gar den Mittelpunkt der gesamten beruflichen oder betrieblichen Tätigkeit dar, sind die Kosten sogar unbeschränkt abzugsfähig.

Der Bundesfinanzhof stellt in seinem aktuell veröffentlichten Beschluss neben diesen Anforderungen weitere Voraussetzungen an die Beschaffenheit des Arbeitszimmers an sich (BFH, Beschluss vom 27.07.2015, Az. GrS 1/14). Unabhängig vom zweiten Prüfschritt des Umfangs der beruflichen Tätigkeitsausübung im Arbeitszimmer oder dem Vorliegen eines anderen Arbeitsplatzes setzen die Münchener Richter im ersten Schritt hohe Anforderungen an die Ausgestaltung des Arbeitszimmers. Es sei zunächst zu prüfen, ob die Ausgestaltung und die Nutzungsverhältnisse des Raumes überhaupt auf ein „häusliches Arbeitszimmer“ schließen lassen. Einen Raum, der teilweise privat und nur teilweise zur Einkunftserzielung genutzt wird, erkennt der Bundesfinanzhof dabei nicht als Arbeitszimmer an. Eine Arbeitsecke im Wohnzimmer ist damit ebenso wenig begünstigt wie ein Arbeitszimmer, welches offensichtlich auch privat mitbenutzt wird. Die Einrichtung des Raumes mit Bett, Bügelbrett, Kleiderschrank oder Sofa wäre daher schädlich. Die Versagung des Abzugs der Aufwendungen greift im Übrigen selbst dann, wenn ein „Nutzungszeitenbuch“ geführt würde und anhand dieser Aufzeichnung die Aufteilung der Aufwendungen erfolge.

Ebenso erfolglos verlief das Verfahren eines Steuerpflichtigen vor dem FG Rheinland-Pfalz, der den beschränkten Abzug der Arbeitszimmerkosten für gleich zwei Arbeitszimmer an verschiedenen Orten geltend zu machen gedachte. Mit Urteil vom 25.02.2015 stellte das FG fest, dass der Höchstbetrag an die Person des Steuerpflichtigen anknüpfe und damit personen- und objektbezogen zu verstehen sei. Der Abzugsbetrag komme daher bei mehreren Arbeitszimmern jedenfalls bei Funktionsgleichheit nur einmal in Betracht. Diese Objektbezogenheit bestätigte auch das FG Münster mit Urteil vom 15.03.2016. Im Klagefall nutzten die Ehegatten ein Arbeitszimmer gemeinsam für ihre jeweiligen Einkünfte. Das Finanzgericht begrenzte den Abzug objektbezogen auf einmal 1.250 €, schätzungsweise verteilt zu 50/50 auf die Kläger. Für einen doppelten Ansatz der Höchstgrenze sahen die Richter keinen Raum.

copyright by Lars Meinel, Steuerberater, Hof/Plauen