Die Kehrseite der Medaille – Steuerfalle häusliches Arbeitszimmer

Ein häusliches Arbeitszimmer in der Steuererklärung geltend zu machen, hat aufgrund der steuermindernden Wirkung große Vorteile für den Steuerzahler. Seit der Klarstellung des Gesetzgebers im Jahressteuergesetz 2010 können hierbei bis zu 1.250 Euro als Werbungskosten oder Betriebsausgaben angesetzt werden, wenn für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Dieser Betrag ist kein Pauschbetrag, er ist objektbezogen nachzuweisen. Sollte das Arbeitszimmer sogar den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung bilden, gilt die Beschränkung auf 1.250 Euro nicht. Klar abzugrenzen sind dabei immer die Kosten für Arbeitsmittel wie Bürobedarf, Ausstattung oder Computertechnik. Diese können in jedem Fall steuermindernd geltend gemacht werden, soweit die berufliche Nutzung glaubhaft gemacht werden kann.

Oftmals übersehen wird bei der Geltendmachung von Arbeitszimmerkosten aber die Kehrseite der Medaille. Betroffen sind Steuerpflichtige, die ihr Gebäude mitsamt dem Arbeitszimmer in den Folgejahren verkaufen möchten. Der Verkauf einer selbst genutzten Immobilie ist nämlich grundsätzlich steuerfrei – unabhängig von der Besitzdauer und der Gewinnhöhe. Die Arbeitszimmerfläche fällt allerdings nicht unter dieses Privileg, weil das Büro keinen „Wohnzwecken“ gedient hat. Insoweit unterliegt daher ein Hausverkauf innerhalb der zehnjährigen Spekulationsfrist anteilig der Besteuerung. Das gilt selbst dann, wenn der Abzug der Arbeitszimmerkosten auf den Höchstbetrag von 1.250 Euro beschränkt war.

Der Veräußerungsgewinn ist oftmals unerwartet hoch, da vom Veräußerungspreis nur der anteilige Restbuchwert abgezogen werden kann, nicht etwa der anteilige ursprüngliche Kaufpreis. Dies führt in vielen Fällen zu Steuernachzahlungen, die nur durch ein Abwarten der zehnjährigen Spekulationsfrist zu vermeiden sind. Leider gilt dies wiederum nicht für Selbständige und Gewerbetreibende, die das Arbeitszimmer im steuerlichen Betriebsvermögen, also als Betriebsausgaben geltend gemacht haben. Hier greift keinerlei zeitliche Beschränkung. Der Veräußerungsgewinn ist als betrieblicher Gewinn zu versteuern und unterliegt damit ggf. auch der Gewerbesteuer. Es muss daher im Vorfeld bedacht werden, inwiefern Arbeitszimmerkosten als Werbungskosten oder Betriebsausgaben geltend gemacht werden sollen und damit das Arbeitszimmer beim Finanzamt aktenkundig gemacht wird.

copyright by Steuerberater Lars Meinel, Hof/Plauen