Die doppelte Haushaltsführung als Steuersparkonstrukt

Kosten der Lebensführung – wie beispielsweise für Wohnen und Verpflegung – sind steuerrechtlich prinzipiell vom Abzug ausgeschlossen. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt erfordert jedoch eine Flexibilität der Arbeitnehmer, eine tägliche Rückkehr zur Hauptwohnung ist nicht immer möglich. Betroffene Steuerpflichtige sehen sich daher mit enormen Mehraufwendungen konfrontiert – für Fahrtkosten, Kosten einer Zweitwohnung oder Umzugskosten. Der Gesetzgeber hat dies erkannt und mit dem Recht der „doppelten Haushaltsführung“ einen Ausnahmetatbestand geschaffen, der notwendige Mehraufwendungen einer beruflich veranlassten doppelten Haushaltsführung zum Abzug als Werbungskosten oder Betriebsausgaben zulässt.

Einen doppelten Haushalt führen dabei Personen, die beruflich außerhalb des Orts, an dem sie einen „eigenen Hausstand“ unterhalten und an dem sich der „Mittelpunkt ihres Lebensinteresses“ befindet, tätig oder beschäftigt sind und an diesem Ort eine Zweitwohnung unterhalten. Ein eigener Hausstand erfordert nach der Finanzverwaltung eine den Lebensbedürfnissen des Steuerpflichtigen entsprechende Miet- oder Eigentumswohnung, in der ein eigener Haushalt unterhalten wird. Ein Zimmer in der elterlichen Wohnung gilt deshalb in der Regel nicht als eigener Hausstand. Die zweite Voraussetzung, das Vorliegen des Mittelpunkts der Lebensinteressen am Ort des eigenen Hausstands, erfordert nach der Rechtsprechung eine Gesamtwürdigung aller Umstände des Einzelfalls. Hierbei spielen Indizien wie enge persönliche Beziehungen, Vereinszugehörigkeit und die Häufigkeit der Heimfahrten eine entscheidende Rolle. Aktuell hat der BFH mit Urteil vom 08.10.2014 zudem entschieden, dass auch bei Ehegatten, die unter der Woche aus beruflichen Gründen am Beschäftigungsort gemeinsam eine Zweitwohnung bewohnen, das Konstrukt der doppelten Haushaltsführung anwendbar sein kann.

Der doppelte Haushallt muss im Übrigen aus beruflichen Gründen unterhalten werden. Der klassische Fall einer Begründung eines Zweitwohnsitzes bei gleichzeitigem Arbeitgeber- bzw. Arbeitsplatzwechsel am neuen Zweitwohnsitzort wurde durch die jüngere Rechtsprechung des BFH erfreulicherweise um einen Ausnahmefall erweitert. Auch bei einer Wegverlegung des Haupthausstandes vom Beschäftigungsort aus privaten Gründen und Beibehaltung des bisherigen Wohnsitzes als Zweitwohnsitz kann eine begünstigte doppelte Haushaltsführung vorliegen.

Die Beweispflicht zum Vorliegen einer doppelten Haushaltsführung, also beispielsweise der Nachweis der Heimfahrten, der persönlichen Verankerung am Wohnort sowie der angefallenen Kosten obliegt dem Steuerpflichtigen. Die mit einer Nachweisführung verbundenen Aufwendungen sind dabei in Anbetracht der bei Anerkennung abzugsfähigen Kosten verschmerzbar: abzugsfähig sind Miet- und Mietnebenkosten der Zweitwohnung bis zu 1.000 € im Monat, Fahrtkosten für Begründung der Zweitwohnung, wöchentliche Familienheimfahrten, in den ersten drei Monaten Verpflegungsmehraufwendungen und zudem entsprechende Umzugskosten.

copyright by Lars Meinel, Steuerberater Hof/Plauen