Erholungsbeihilfen als Gestaltungsmittel nutzen

Für Arbeitgeber stellt sich regelmäßig die Frage nach Möglichkeiten der Entgeltoptimierung, d.h. der Minimierung von Steuer- und Sozialversicherungsbeiträgen mit dem Ziel, dass ein möglichst hoher Betrag des Bruttogehalts auf dem Konto des Arbeitnehmers ankommt. Ohne Optimierung mindert sich der aufgewendete Betrag für Einmalzahlungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld, Gratifikationen oder Tantiemen auf dem Weg zum Konto des Angestellten nicht selten auf die Hälfte.

Eine Gestaltungsvariante ist dabei die Erholungsbeihilfe, für welche der Arbeitgeber eine feste pauschale Steuer von 25 Prozent abführt, während in der Sozialversicherung Beitragsfreiheit besteht. Die Beihilfe kommt daher ungemindert – brutto gleich netto – beim Arbeitnehmer an. Die lukrative Steuerbegünstigung wird durch den Gesetzgeber aber betraglich begrenzt: die Beihilfen dürfen insgesamt im Kalenderjahr 156 Euro für den Arbeitnehmer, 104 Euro für den Ehegatten und 52 Euro pro Kind nicht übersteigen. Die steuerbegünstigte Erholungsbeihilfe könnte daher bei einem verheirateten Arbeitnehmer mit zwei Kindern bis zu 364 Euro betragen. Übersteigt die Beihilfe die Freigrenzen, entfällt die günstige Pauschalierungsmöglichkeit.

In der Literatur wird als unstrittig angesehen, dass eine Personengebundenheit und ein Jahresbezug bereits aus dem Gesetzestext deutlich wird. Von einzelnen Arbeitnehmern nicht ausgeschöpfte Beträge können daher nicht auf andere Arbeitnehmer übertragen werden. Auch sind mehrere Beihilfen im Kalenderjahr an den einzelnen Arbeitnehmer zu addieren. Zudem kann die Gewährung einer Beihilfe für mehrere Jahre in einem Jahr nicht rechnerisch auf mehrere Kalenderjahre verteilt werden, um die Höchstgrenzen zu unterschreiten. Bei mehreren Dienstverhältnissen im Laufe eines Jahres kann hingegen jeder Arbeitgeber die Höchstbeträge pauschalieren.

Nicht vollständig ausgeurteilt ist die Frage, wie der Nachweis erbracht werden soll, dass der zugewendete Betrag für Erholungszwecke eingesetzt wurde. In einem Urteil des Bundesfinanzhof vom 19.09.2012 forderte dieser eine „Sicherstellung“ in Form eines Nachweises, dass mit den erhaltenen Zahlungen tatsächlich Erholungsleistungen finanziert wurden. Die derzeitige Verwaltungspraxis ist hier entgegenkommender: es kommt lediglich auf einen zeitlichen Zusammenhang der Zahlung einerseits und der Erholungsmaßnahme andererseits an. Dieser ist gegeben, wenn die Maßnahme innerhalb von drei Monaten vor oder nach der Auszahlung beendet bzw. begonnen wird. Da sich die „Erholung“ nicht zwingend in einer Urlaubsreise manifestieren muss, sondern auch zu Hause erfolgen kann, kommt es daher letztlich auf die Urlaubsgewährung im zeitlichen Zusammenhang an. Eine Bestätigung des Arbeitnehmers über den zielgerichteten Einsatz der Mittel für Erholungszwecke ist dennoch ratsam.

Strittig ist im Übrigen die Frage, ob der Aufstockungsbetrag von 52 € je Kind nur für Kinder gewährt wird, bei denen Anspruch auf Kindergeld oder Kinderfreibeträge besteht oder generell für leibliche Kinder. Der Gesetzestext regelt dies nicht klar, so dass m.E. ein Kindergeldbezug nicht erforderlich ist.

copyright by Lars Meinel, Dipl.-Betriebswirt (BA), Steuerberater, Hof/Plauen