Lohnbestandteil (Elektro-)Fahrrad – Finanzverwaltung gibt Spielregeln vor

Eine besonders in von Staus und Parkplatznot gezeichneten Städten sehr beliebte Möglichkeit der Entgeltoptimierung ist die Überlassung eines Fahrrads oder Elektrofahrrads durch den Arbeitgeber an seine Arbeitnehmer. Seit 2012 werden die Diensträder dabei weitgehend wie Dienstautos behandelt. Schafft der Arbeitgeber daher ein Rad an und überlässt es unentgeltlich zur dienstlichen und privaten Nutzung, so liegt ein steuerpflichtiger Arbeitslohn in Form eines Sachbezugs vor. Gleiches gilt für die Überlassung von durch den Arbeitgeber geleasten (Elektro-) Fahrrädern. Zwar überlässt tatsächlich die Leasingfirma das Dienstrad, jedoch ist ein geldwerter Vorteil von Dritter Seite zu ermitteln.

Im Schreiben vom 15.12.2016 erläutert das Bundesfinanzministerium (BMF), wie der als Arbeitslohn zu versteuernde Sachbezug zu bewerten ist. Wie bei der Dienstwagenbesteuerung ist im Regelfall monatlich ein Prozent der unverbindlichen Preisempfehlung im Zeitpunkt der Inbetriebnahme einschließlich Umsatzsteuer anzusetzen. Dies gilt allerdings nur für Elektrofahrräder, die verkehrsrechtlich nicht als Kfz einzuordnen sind. Sollte eine solche Einordnung vorzunehmen sein, das Dienstrad also zulassungspflichtig sein, muss zusätzlich eine Besteuerung der Nutzungsmöglichkeit für Wege zwischen Wohnung und Arbeitsstätte erfolgen. Hierfür wird pauschal ein Wert von monatlich 0,03 Prozent des Bruttolistenpreises je Entfernungskilometer als Sachwert versteuert. Alternativ kann für das Dienstrad ein Fahrtenbuch geführt werden.

Eine Ausnahme von diesen Bewertungsgrundsätzen sieht das BMF in Fällen einer Sonderrechtsbeziehung. Dieses aus dem kommunalen Recht stammende Konstrukt, das „Behördenleasing“ soll nun auch für die freie Wirtschaft anwendbar sein. Wird der Arbeitnehmer deshalb in dergestalt Leasingvertragspartner, dass er die wesentlichen Rechte und Pflichten des Leasingnehmers innehat und trägt der Arbeitgeber lediglich die Leasingraten, so wird kein Fahrrad überlassen. Vielmehr gibt der Arbeitgeber vergünstigte Leasingkonditionen weiter, was zu einer abweichenden Bewertung in Form der verbilligten Leasingrate führt.

Zu beachten ist zudem, dass ein weiterer Sachlohn an den Arbeitnehmer zugewendet wird, wenn der Arbeitnehmer das (Elektro-) Fahrrad nach Beendigung der Leasingvertragslaufzeit zu einem geringeren Preis als dem Marktpreis erwerben kann. In diesem Fall ist der Differenzbetrag als Arbeitslohn von dritter Seite zu versteuern. Um Bewertungsproblemen vorzubeugen hat die OFD Nordrhein-Westfalen mit ihrer Kurzinformation vom 17.05.2017 eine vereinfachte Bewertung des Gebrauchtrads – nach  Ablauf von 36 Monaten 40 Prozent der unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers – zugelassen.

copyright by Lars Meinel, Steuerberater, Hof/Plauen