Steuerabzug für Bauleistungen – nun auch für Photovoltaikanlagen

Die Bauabzugssteuer ist eine seit 1.1.2002 geltende gesetzliche Regelung, die die illegale Beschäftigung im Baugewerbe eindämmen soll. Die formalistisch und bürokratisch anmutende Vorgabe führt in der Praxis immer wieder zu Streitfragen und großen Haftungsrisiken für Bauleistungen empfangende Steuerpflichtige. So hat der Empfänger einer Bauleistung im Inland von der Gegenleistung, also dem zu zahlenden Rechnungsbetrag, einen Abzug von 15% vorzunehmen. Der leistende Bauunternehmer erhält damit nur 85% seines in Rechnung gestellten Betrages. Der Leistungsempfänger muss den einbehaltenen Betrag anschließend beim für den Leistenden zuständigen Finanzamt anmelden und für diesen abführen.

Der abgeführte Betrag wird seitens der Finanzbehörde dann auf die Steuerschuld des Leistenden angerechnet. Es handelt sich somit verkürzt dargestellt um den Einbehalt von Steuerschulden des Leistenden durch den Bauleistungsempfänger für das Finanzamt. Als Bauleistungen gelten dabei alle Leistungen, die der Herstellung, Instandsetzung, Instandhaltung, Änderung oder Beseitigung von Bauwerken dienen. Der Begriff des „Bauwerks“ umfasst dabei Gebäude und Nebengebäude, nicht aber Betriebsvorrichtungen. Photovoltaikanlagen wurden diesbezüglich von der Finanzverwaltung bisher als Betriebsvorrichtungen betrachtet, die keinen Teil des Bauwerks darstellen. Die Bauabzugssteuer war bei Installation einer solchen Anlage z.B. auf dem privaten Eigenheim damit nicht anwendbar.

Mit Wirkung zum 1.1.2016 hält die Finanzbehörde an dieser Auffassung nicht mehr fest. Nunmehr sind auch bei Installation von Photovoltaikanlagen die Regelungen zur Bauabzugssteuer anwendbar. Die neue Auslegung ist laut einer Verfügung vom 16.09.2015 ab dem Jahr 2016 verpflichtend anzuwenden. Wer deshalb zukünftig eine Photovoltaikanlage auf dem Dach seines Eigenheimes – oder auch im Rahmen einer gewerblichen Tätigkeit auf dem Dach eines Betriebsgebäudes – installiert, hat den 15%igen Steuerabzug zu beachten. Für den Steuereinbehalt haftet er als Empfänger der Bauleistung.

Um die verwaltungsintensive Bauabzugssteuer und damit die Haftung für Steuerschulden des Leistenden zu vermeiden, kann sich der Leistungsempfänger auf eine Ausnahmeregelung berufen. So darf der Steuerabzug unterbleiben, wenn der Leistende dem Leistungsempfänger eine im Zeitpunkt der Gegenleistung gültige Freistellungsbescheinigung nach § 48b EStG vorlegt. Diese erhält er auf Antrag beim zuständigen Finanzamt, wenn dieses einschätzt, dass der zu sichernde Steueranspruch nicht gefährdet erscheint. Entsprechend umsichtig sollten Steuerzahler bei empfangenen Bauleistungen, insbesondere bei der Errichtung von Photovoltaikanlagen, die Bescheinigungen aufbewahren, um den Steuerabzug zu vermeiden.

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