Steuerfalle Geschenke und Sachzuwendungen

Sie sind im alltäglichen Geschäftsverkehr nicht wegzudenken: Geschenke und Sachzuwendungen an Geschäftsfreunde und Kunden. Für den Schenkenden sind die Zuwendungen strategisch und wirtschaftlich betrachtet unerlässlich und keinesfalls umsonst. Trotz dessen lässt der Fiskus den Abzug der Aufwendungen nur unter strengen Voraussetzungen und betragsmäßig gedeckelt auf lediglich 35 € pro Empfänger und Geschäftsjahr zu. Aufzeichnungs- und Nachweispflichten erhöhen die Anforderungen an den Betriebsausgabenabzug beim Schenker.

Doch wie verhält es sich beim beschenkten Geschäftspartner oder Kunden? Die Praxis zeigt deutlich, dass die Gesetzeslage zwar eindeutig ist, deren Bekanntheit und Umsetzungsgrad aber aus Sicht des Fiskus zu wünschen übrig lässt. Die Thematik wird daher zunehmend bei Betriebsprüfungen – zunächst beim Schenkenden, dann über die Aufzeichnungen zu den Beschenkten über Kontrollmitteilungen auch bei diesen – problematisiert. Der Grund: der geldwerte Vorteil, den der Empfänger mit dem Geschenk erhält, unterliegt bei diesem der Besteuerung, wenn er im Rahmen einer Einkunftsart anfällt. Der beschenkte Geschäftspartner muss den Wert des Geschenkes also als Betriebseinnahme erfassen. Dies gilt unabhängig davon, ob die Aufwendungen beim Schenker als Betriebsausgaben abzugsfähig sind oder nicht. Einzige Ausnahme: Streuartikel im Wert von maximal 10 €.

Die praktischen Umsetzungsprobleme liegen auf der Hand: der Beschenkte muss prinzipiell den Wert des Geschenkes erfragen oder aber diesen zutreffend schätzen. Zum Nachweis bei einer späteren Prüfung wäre die Wertangabe sicherheitshalber sogar schriftlich vom Schenkenden einzuholen. Das ist zum einen unangenehm, zum anderen auch vollkommen praxisfern. Um diese Unannehmlichkeiten dem Beschenkten zu ersparen, gibt es die Möglichkeit einer Pauschalbesteuerung beim Schenkenden. Dieser kann die Steuer für den Beschenkten mit pauschal 30% zzgl. Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer an das Finanzamt abführen. Die so übernommene Steuer ist beim Schenker wiederum als Betriebsausgabe absetzbar, soweit das Geschenk keiner Abzugsbeschränkung unterlag. Das Wahlrecht zur Pauschalbesteuerung gilt dabei sowohl für Geschenke an Nicht-Arbeitnehmer als auch für Sachzuwendungen an Arbeitnehmer und kann in beiden Bereichen gesondert ausgeübt werden. Der Beschenkte ist formlos über die Übernahme der Besteuerung zu informieren. Diese durchaus praktikable Lösung entschärft die Problematik für den Beschenkten, erhöht für den Schenker allerdings auch die Aufwendungen für die Zuwendung merklich.

copyright by Steuerberater Lars Meinel, Hof/Plauen