Steuerklassenwahl für das Jahr 2016 bei Ehegatten

Ehegatten oder eingetragene Lebenspartner, die beide unbeschränkt steuerpflichtig sind, nicht dauernd getrennt leben und beide Arbeitslohn beziehen, können seit jeher für den Lohnsteuereinbehalt wählen, ob sie beide in die Steuerklasse IV eingeordnet werden wollen oder ob einer von ihnen nach Steuerklasse III und der andere nach Steuerklasse V besteuert werden soll. Die Steuerklassenkombination III/V ist dabei so gestaltet, dass die Summe der Steuerabzugsbeträge beider Ehegatten in etwa der zu erwartenden Jahressteuer entspricht, die sich ergibt, wenn der in Steuerklasse III eingestufte Ehegatte ca. 60 Prozent und der in Steuerklasse V eingestufte Ehepartner ca. 40 Prozent des gemeinsamen Einkommens erzielt. Bei abweichenden Verhältnissen kann es aufgrund des relativ niedrigen Lohnsteuerabzugs bei dieser Kombination schnell zu Steuernachzahlungen kommen. Nicht zuletzt aus diesem Grund besteht bei Wahl der Kombination III/V eine generelle Pflicht zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung.

Zusätzlich besteht auch die Möglichkeit zur Wahl einer Steuerklassenkombination IV/IV mit Faktorverfahren. Hierbei wird vom Finanzamt ein individueller Faktor berechnet und als Lohnsteuerabzugsmerkmal hinterlegt. Der Faktor ist dabei ein steuermindernder Multiplikator, der sich bei unterschiedlich hohen Arbeitslöhnen der Ehegatten aus der Wirkung des Splittingverfahrens errechnet. Ziel ist ein im Vergleich zur Kombination III/V präziserer Lohnsteuerabzug.

Um Ehegatten und eingetragenen Lebenspartnern die Steuerklassenwahl zu erleichtern, hat das Bundesministerium für Finanzen aktuell ein Merkblatt zur Steuerklassenwahl veröffentlicht, in welchem Berechnungstabellen und vertiefende Erläuterungen enthalten sind. Das Merkblatt ist auf der Internetseite des Bundesfinanzministeriums abrufbar. Im Bereich Service befinden sich zudem verschiedene Schnellrechner zur Berechnung der Lohnsteuer sowie des Faktor für die Kombination IV/IV mit Faktorverfahren.

Bei der alljährlichen Steuerklassenwahl bedacht werden sollten die indirekten Auswirkungen der Option auf Entgelt-/Lohnersatzleistungen wie das Arbeitslosengeld I, Unterhaltsgeld, Krankengeld, Versorgungskrankengeld, Verletztengeld, Übergangsgeld, Elterngeld und Mutterschaftsgeld. Auch die Eintragung von Freibeträgen kann den Lohnsteuerabzug weiter optimieren. Eingetragen können u.a. Freibeträge für Werbungskosten, die den Arbeitnehmerpauschbetrag übersteigen, Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen und eine Reihe von negativen Einkünften.

Die Zuständigkeit für Anträge zum Steuerklassenwechsel oder zur Anwendung des Faktorverfahrens liegt nicht wie oftmals angenommen bei den Gemeinden, sondern direkt bei dem Finanzamt, in dessen Bezirk die Ehegatten oder Lebenspartner im Zeitpunkt der Antragstellung ihren Wohnsitz haben. Beachtet werden muss, dass ein Steuerklassenwechsel nur einmal jährlich möglich ist.

copyright by Lars Meinel, Steuerberater, Hof/Plauen