Steueroptimierung durch den Investitionsabzugsbetrag

Der Investitionsabzugsbetrag, eine der bedeutendsten Möglichkeiten zur Steuergestaltung, ist seit einiger Zeit wesentlich steuerzahlerfreundlicher anwendbar. So wurde der Gesetzestext modifiziert, was zahlreiche bisherige Streitpunkte beseitigte. Auch sind etliche klarstellende Urteile ergangen. Der Investitionsabzugsbetrag bezeichnet dabei eine den Gewinn außerhalb der Gewinnermittlung mindernde Rechengröße, die von Unternehmen bestimmter Größenklasse für künftige Investitionen in abnutzbare, bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens gebildet werden kann. Das Abschreibungssubstrat wird dabei in das Wirtschaftsjahr der außerbilanziellen Bildung des Abzugsbetrags vorgezogen. Nach Anschaffung des Investitionsguts ist der Abzugsbetrag gewinnerhöhend aufzulösen und kann von den Anschaffungskosten wiederum gewinnmindernd in Abzug gebracht werden. Die Bemessungsgrundlage für die zukünftige Abschreibung wird daher entsprechend gemindert. Als Höchstgrenze für diese Art der „vorgezogenen Abschreibung“ mit Hintergrund der Investitionserleichterung (daher „Investitionsabzugsbetrag“) wurden 40% der voraussichtlichen Anschaffungs- und Herstellungskosten definiert. Auch sind weitere Nutzungs- und Verbleibensvoraussetzungen zu beachten.

Bisher musste bei gewinnmindernder Bildung des Abzugsbetrags die genaue Funktionsbezeichnung des anzuschaffenden Wirtschaftsguts angegeben werden. In der Folge konnte der Steuerpflichtige bei Übertragung von dieser Festlegung nicht abweichen. Ein beispielsweise für einen Firmenwagen gebildeter Betrag konnte deshalb nicht auf ein anderes Wirtschaftsgut, wie eine Büroausstattung, übertragen werden. Das Funktionsbenennungserfordernis ist durch gesetzliche Neuregelung entfallen, was das Bundesfinanzministerium (BMF) mit Schreiben vom 20.03.2017 nochmals unterstrichen hat. Nach diesem kann der Investitionsabzugsbetrag ohne weitere Angaben, letztlich also „auf Zuruf“ beantragt werden. Statt der bisher sehr einengenden Festlegung der Funktion des anzuschaffenden Wirtschaftsguts wird nun lediglich die Höhe des Abzugsbetrags – und damit der Gewinnminderung – benannt. Hiermit erübrigen sich die bisher kontrovers diskutierten Fragestellungen der Aufstockung von Abzugsbeträgen bzw. der späteren, rückwirkenden Bildung. War es bisher nur unter Verweis auf die BFH-Rechtsprechung vom 12.11.2014 möglich, einen im Jahr 1 gebildeten Abzugsbetrag im Jahr 2 der Höhe nach „aufzustocken“, ist dies nun unproblematisch möglich. Auch gibt das genannte BMF-Schreiben vor, dass selbst eine nachträgliche Bildung des Abzugsbetrags – im Rahmen der Zulässigkeit der Änderung von Steuerbescheiden – möglich ist. Das soll künftig selbst dann gelten, wenn der Investitionsabzugsbetrag offensichtlich nachträglich gebildet wird, um die Mehrergebnisse einer Betriebsprüfung zu kompensieren. Die noch im BMF-Schreiben vom 20.11.2013, Rz. 26, geäußerte gegenteilige Auffassung hat die Finanzverwaltung fallen gelassen.

Bei Geltendmachung eines Abzugsbetrages vor der Betriebseröffnung, wie dies oft bei geplanter Errichtung einer Photovoltaikanlage genutzt wird, kann die Finanzverwaltung allerdings einen Nachweis über die Betriebseröffnungsabsicht verlangen. Dieser kann durch Vorlage der Gewerbeanmeldung, von Kreditanträgen, Kostenvoranschlägen oder Informationsmaterial geführt werden.

copyright by Lars Meinel, Steuerberater, Hof/Plauen