Vorsicht bei Geschäftsfahrten mit dem Privatwagen

In der Praxis häufig anzutreffen ist der Fall, dass ein Selbständiger den privaten Pkw auch für geschäftliche Fahrten nutzt. Eine Behandlung als Betriebsfahrzeug ist oftmals nicht gewünscht, schließlich ist ein Gewinn bei der Veräußerung des Fahrzeugs im Privatvermögen nicht steuerlich zu erfassen. Die betrieblich verursachten Kosten, die bei geschäftlicher Nutzung des Privatfahrzeugs anfallen, werden in diesen Fällen über eine Kosteneinlage erfasst. Meist wird diese mit dem Pauschalansatz von 0,30 € je betrieblich gefahrenen Kilometer bewertet und als gewinnmindernde Betriebsausgabe erfasst. Auch eine genaue Kostenermittlung durch eine Verhältnisrechnung der angefallenen Kosten zu den betrieblich gefahrenen Kilometern ist denkbar. Entscheidend ist damit eine Dokumentation der betrieblich verursachten Kilometer durch einen Fahrtennachweis.

Im Urteilsfall vor dem Bundesfinanzhof (BFH-Beschluss vom 13.05.2014, Az. III B 152/13) legte der Steuerpflichtige, ein selbständiger Rechtsanwalt, diese Fahrtendokumentation für seine beiden Privatfahrzeuge Porsche und Volkswagen vor, für welche eine Kosteneinlage gewinnmindernd erfasst war. Aus dem Nachweis konnte das Finanzamt die prozentualen Nutzungsverhältnisse der Fahrzeuge ableiten, da der Kläger Beginn- und Endkilometerstände der betrieblichen sowie der privaten Fahrten notierte. Der betriebliche Nutzungsanteil lag bei beiden Fahrzeugen über 50%. Das Finanzamt unterstellte aus diesem Grund, dass es sich um Betriebsfahrzeuge, keine Privatfahrzeuge handle.

Da der Steuerpflichtige wegen Anwendung der 0,30 €-Pauschalmethode keine Tank- oder Reparaturbelege aufbewahrt hatte, konnten nur relativ geringe Kosten nachgewiesen werden (vorliegend Leasingraten). Die Kosteneinlage war zudem durch die Umqualifizierung in Betriebsvermögen entfallen. Ungünstig erwies sich zudem, dass die losen Aufzeichnungen nicht die strengen Vorgaben an ein Fahrtenbuch erfüllten. Die für betriebliche Pkw vorgeschriebene Privatnutzungsbesteuerung wurde daher mit der vorliegend sehr ungünstigen 1%-Methode errechnet. Im Ergebnis verblieben nach der privaten Nutzungsbesteuerung für den Kläger keine Betriebsausgaben mehr. Der Nachteil im Vergleich zur Kosteneinlage belief sich im Urteilsfall auf mehrere tausend Euro.

Dennoch wurde die Auffassung der Finanzverwaltung durch den BFH bestätigt. Es kommt für die Abgrenzung des notwendigen Betriebsvermögens tatsächlich nur auf die Überschreitung der 50%-Grenze an. Eine Einlagehandlung, eine Erfassung des Fahrzeugs im Betriebs- oder Anlagevermögen sei für die Annahme von Betriebsvermögen nicht notwendig. Auch komme es bei überwiegend betrieblicher Nutzung nicht auf die Einlageabsicht des Steuerpflichtigen an. Besonders ärgerlich in Fällen der unbeabsichtigten Einlage mit Kostendeckelung: ein Veräußerungsgewinn ist im betrieblichen Bereich steuerpflichtig.

Copyright by Lars Meinel, Steuerberater, Hof/Plauen