Zankapfel Berufsausbildungskosten

Die Rechtslage ist unklar und verworren. So beschreiben die Richter des Bundesfinanzhof mit Urteil vom 5.11.13 das geltende Steuerrecht zu Ausbildungs- und Studienkosten. Es geht um nicht weniger als die wichtigste Investition im Leben: eine qualifizierte Bildung, welche die Basis für ein späteres Erwerbseinkommen bildet. Und damit auch für spätere Steuer- und Sozialbeitragszahlungen. Dennoch diskriminiert der Fiskus entsprechende Aufwendungen rückwirkend ab dem Jahr 2004, indem er vorgibt, Aufwendungen für eine erstmalige Berufsausbildung oder für ein Erststudium, das zugleich eine Erstausbildung vermittelt, seien keine Werbungskosten, wenn die Maßnahmen nicht im Rahmen eines Dienstverhältnisses stattfinden. Werbungskosten, nicht bloße Sonderausgaben, sind aber notwendig, um die begehrten Verlustvorträge feststellen zu lassen. Sie ermöglichen eine Verrechnung der aufgelaufenen Kosten mit späteren Einnahmen.

Der Werbungskostenansatz könnte sich dabei lohnen. So zählen zu den abzugsfähigen Kosten Studiengebühren, Kosten für Auslandssemester, Fachbücher, Büromaterial, Computer, Recherchekosten, Umzugskosten, Verpflegungsmehraufwendungen oder Fahrtkosten. Für ein langjähriges Studium fallen zwangsläufig tausende von Euro an, über deren steuerliche Auswirkung in zahlreichen Verfahren gestritten wird. Fehlt den meisten Studenten und Auszubildenden (noch) die schmerzhafte Erfahrung, hohe Steuern und Abgaben leisten zu müssen, sollte die Aussicht auf eine hohe Steuerersparnis zu Beginn des aktiven Erwerbslebens doch zu einem Tätigwerden anspornen. So ist es möglich, die angefallenen Kosten dennoch beim Finanzamt anzuzeigen und einen Antrag auf Verlustfeststellung zu stellen – dieser muss selbstverständlich durch den Auszubildenden bzw. Studenten durch eigene Erklärung, nicht etwa einer der Eltern, erfolgen. Die zwangsläufig folgende Ablehnung der Berücksichtigung ist dann unter Verweis auf die anhängigen BFH-Verfahren mittels Einspruchs anzufechten und das Ruhen des Verfahrens zu beantragen. Von einem positiven Ausgang eines der Verfahren kann somit profitiert werden.

Ein erfolgversprechendes „Schlupfloch“ wurde in diesem Zusammenhang noch kurz vor Jahresende durch das Gesetz zur Anpassung der Abgabenordnung an den Zollkodex der Union und zur Änderung weiterer steuerlicher Vorschriften beseitigt. Das am 30.12.2014 verkündete Gesetzeswerk mit dem irreführenden Titel ist ein reines Jahressteuergesetz, welches wieder einmal unliebsame BFH-Rechtsprechung aushebelt. So erkannte dieser eine Kurzausbildung zum Rettungssanitäter und eine 6-monatige Ausbildung zum Flugbegleiter als Erststudium an. Folgende Studienkosten konnten als Werbungskosten angesetzt werden (Zweitausbildung). Künftig ist dies nicht mehr zulässig, da eine Mindestausbildungsdauer von 12 Monaten bei mindestens 20 Wochenstunden vorgeschrieben sowie eine Abschlussprüfung vorgeschrieben wird. Inkrafttreten: 1.1.2015.

copyright by Lars Meinel, Steuerberater Hof/Plauen